Alster Fahrradachsen – 3. Abschnitt / Großprojekt Hohenfelder Bucht (Teil 2)

In diesem zweiten Teil wird die Planung beschrieben und bewertet. Teil 1 findet ihr hier.

Das Ziel der aktuellen Planung wird im Erläuterungsbericht wie folgt zusammengefasst:

Langfristiges Ziel der Stadt Hamburg ist die Aufwertung der Freiräume rund um die Außenalster. Im Teilabschnitt der Hohenfelder Bucht ist zur Aufwertung des Stadtraumes mit Ausprägung einer neuen Identität eine Neuordnung vorgesehen. Neben den hohen freiräumlichen Qualitäten und der Berücksichtigung des Denkmalschutzes spielt die Verbesserung der verkehrlich-funktionalen Situation vor allem im Rad- und Fußverkehr unter Erhalt der Leistungsfähigkeit im Kraftfahrzeugverkehr eine zentrale Rolle.

Wesentliche Aspekte beim Straßenraumentwurf waren

  • die Bündelung von Straßenverkehrsflächen insbesondere im Bereich der Sechslingspforte,
  • die kompakte Gestaltung der Knotenpunkte,
  • die verkehrliche Abwertung des Straßenzuges Barcastraße,
  • eine weitgehende verkehrliche Abwertung der Buchtstraße
  • und die Aufwertung der Rad- und Fußwegebeziehungen.

Auffällig sind die neuen Brücken über den Kanal und die Unterführung zur Hohenfelder Bucht. Statt zwei Brücken wie heute werden es drei Brücken sein – zwei für den Autoverkehr mit den Richtungsfahrbahnen und eine für Fußgänger und Radfahrer alleine. Die Brücken werden außerdem deutlich länger als die heutigen, da der Kanal und die Unterführung gemeinsam überspannt werden. Dadurch ergibt sich eine deutlich offenere und einladendere Situation unter der Brücke. Auch an der Barcastraße wird die Zugänglichkeit der Hohenfelder Bucht durch eine Freitreppe deutlich verbessert.

hohenfelder_brücken_planung.PNG
Planung im Bereich der Hohenfelder Brücken, Quelle
treppe_barcastraße_planung.PNG
Planung für eine Freitreppe an der Hohenfelder Bucht, Quelle
kreuzung_sechslingspforte_planung.PNG
Verkehrsplanung Kreuzung An der Alster / Schwanenwik / Sechslingspforte, Quelle

Der Raumgewinn durch die kompaktere Ausgestaltung der Knotenpunkte wird das Gebiet um die Hohenfelder Bucht aufwerten (s. Abbildung hierunter). Besonders groß und besonders deutlich dürfte die Aufwertung im Bereich der Barcastraße sein, deren verkehrliche Bedeutung durch den Umbau sinken wird. Entsprechend der geringeren Verkehrsbelastung wird auch die Anzahl der Fahrstreifen reduziert. Dieser Platz wird dann für die oben genannte Freitreppe genutzt. Auch die neue eigene Brücke für Fußgänger und Radfahrer parallel zum Schwanenwik stellt eine große Aufwertung dar, entsteht so doch ein Abstand zu großen Straße. Man sollte sich aber nichts vormachen, denn auch in Zukunft wird der Bereich vom Autoverkehr geprägt bleiben. Die schiere Anzahl der Fahrstreifen führt auch in Zukunft zu raumprägenden Kreuzungen. Im Bereich Schwanenwik kommt sogar noch ein weiterer Fahrstreifen stadteinwärts hinzu .

übersicht_flächengewinn.png
Übersicht über die Flächengewinne und -verluste durch den Umbau (in Blau sind die alten Bordverläufe eingezeichnet, wenn diese von den neuen deutlich abweichen)

Insgesamt gelingt es der Planung die heute in diesem Bereich unterirdischen (z. T. im wahrsten Sinne des Wortes) Zustände für Radfahrer und Fußgänger zu beheben. Positiv hervorzuheben sind die breiteren Geh- und Radwege, die laut Planung in Asphalt ausgeführt werden sollen. Das würde eine deutliche Energieersparnis für Radfahrer bedeuten. Für Fußgänger gäbe es dann endlich witterungsunabhängig gut zu nutzende Wege. Einige Wegebeziehungen, die heute für Radfahrer nicht fahrbar sind, werden durch die Planung (wieder) hergestellt. Dadurch verkürzen sich die Wege, was zu begrüßen ist.

Durch Einhaltung der Mindestradien für Radwege (nach ERA 2010) wird außerdem eine deutliche bessere Befahrbarkeit und Sicherheit erreicht, da entgegenkommende Radfahrer frühzeitig bemerkt werden. Kleinere „Details“ wie freie Rechtsabbiegemöglichkeiten für Radfahrer sind ebenfalls erfreulich.

Kritikwürdig finde ich, dass der Alster-Radweg nicht durchgängig in 4 Meter Breite geplant wird. Das Verkehrsaufkommen rechtfertigt das allemal. Hier nur mit der Mindestbreite von Zweirichtungsradwegen zu planen (3 Meter) halte ich für falsch. Auch der Radweg unten an der Hohenfelder Bucht bleibt relativ schmal. Hier gibt es anscheinend keine einfach bauliche Lösung zur Verbreiterung.

Entscheidend wird auch die Schaltung der Ampeln sein. Heute ist es z. B. so, dass der Mundsburger Damm nur in zwei Phasen gequert werden kann. Oder die Querung der Straße An der Alster, die u. U. bis zu 90 Sekunden Wartezeit mit sich bringt. Da kann die Infrastruktur noch so gut modernisiert worden sein, an solchen Stellen werden viele Bemühungen sofort wieder zunichte gemacht.

Ich habe zwei große Kritikpunkte an der bisherigen Planung. Zum einen die geplante Unterbrechung des Zweirichtungsradwegs entlang der Alster. Die Pläne sehen vor, dass Radfahrer an der Kreuzung Schwanenwik / Mundsburger Damm die Straßenseite wechseln müssen, nur um dann wenige Hundert Meter weiter nördlich wieder die Straßenseite derselben vielbefahrenen Straße zu wechseln, um in die Schöne Aussicht einzubiegen. Geschuldet ist das meines Wissens einzig und allein der Schwanenwikbrücke. Dort kann man m. E. aber die überbreiten Fahrstreifen verschmälern und so Platz für einen Zweirichtungsradweg in der Nebenanlage gewinnen. Die heutige Situation ist viel zu eng.

DSC_0982.JPG
Schwanenwikbrücke mit zu schmalem Radweg und viel zu schmalem Fußweg, dafür mit mehrstreifiger Fahrbahn
zweirichtungsradweg_schwanenwik1.PNG
Radverkehr stadtauswärts entlang der Alster muss hier die Straßenseite wechseln
zweirichtungsradweg_schwanenwik2
Schwanenwikbrücke – im gezeigten Planungsstand verbleibt die Engstelle, nur dass der Radweg nicht mehr in beide Richtungen befahren werden darf; 100 Meter weiter stadtauswärts muss dann wieder die Straßenseite gewechselt werden, um an der Alster weiterzufahren

Für diesen Kritikpunkt zeichnet sich allerdings glücklicherweise eine Lösung in meinem Sinne ab. Aus der Vorstellung der Planung zum 2. Abschnitt der Alster-Fahrradachsen geht hervor, dass mittlerweile ein durchgängiger Zweirichtungsradweg entlang der Alster geplant wird. Dazu wird die Nebenanlage (=Fuß- und Radweg) auf der Brücke verbreitert. Die aktualisierte Planung für den 2. Abschnitt der Alster-Fahrradachsen stelle ich in einem separaten Beitrag vor.

Der zweite Kritikpunkt betrifft den Knotenpunkt An der Alster / Lohmühlenstraße, der im jetzigen Planungsstadium noch gar nicht gezeigt wird. Es ist hier aufgrund der Aussagen im Erläuterungsbericht aber davon auszugehen, dass hier eine sehr kritische Engstelle für Fußgänger und Radfahrer entstehen wird. Denn von den dort sechs Fahrstreifen soll nach jetzigen Stand keiner entfallen. Deswegen habe ich dazu dem BWVI bereits einen Vorschlag unterbreitet. Den Vorschlag werde ich in einem weiteren Beitrag vorstellen.

Eine weitere relativ einfach herzustellende Verbesserung für den Radverkehr wäre eine freie Rechtsabbiegemöglichkeit für die Relation Buchtstraße -> Mundsburger Damm. Platz ist ausreichend vorhanden und Radfahrer müssen dann nicht zwischen und hinter Autos und Bussen warten. Andersrum wäre das auch im Sinne der Busbeschleunigung, wenn die Busse nicht hinter langsameren Radfahrern warten bzw. fahren müssen.

Baubeginn für die Umgestaltung der Verkehrsanlagen soll im Mai 2019 sein. Im Bereich der Brücken soll der Bau im Herbst 2019 beginnen.

Planunterlagen:

Hohenfelder Bucht -Abstimmungsunterlage Bericht

Hohenfelder Bucht -Abstimmungsunterlage Pläne

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2 Gedanken zu „Alster Fahrradachsen – 3. Abschnitt / Großprojekt Hohenfelder Bucht (Teil 2)

  1. Spannend spannend. Ich glaub das könnte gut werden. 🙂

    Meine Kritik wär die folgende:
    1) Von Ost nach West auf der Sechlingsforte (bzw. von unten nach oben auf den Plänen) der Radfahrstreifen macht hier keinen Sinn. Radfahrer könnten auch auf einem normalen Radweg fahren, da sie hier mit dem Straßenverkehr eh nichts zutun haben (keine Querungen oder sonstwas). Aber verschmerzbar. Was ich aber nicht verstehe ist die Unterführung in selber Richtung. Warum müssen Fußgängerflächen rechts und links vom Radweg unter der Unterführung sein. Ebenso in der Schleife direkt an der Alster? Da wäre es schlauer die Fußgänger konstant auf der Wasserseite zu belassen . So müssen die Fußgänger den Radweg mindestens 2x kreuzen, obwohl man auch ohne Kreuzung bauen hätte können. Und die Fußgänger wohl eh lieber am Wasser unterwegs sind, als zwischen Radweg und Mauer/Hang. Das Non-Plus-Ultra wäre natürlich gewesen, wenn die „Hohenfelder Fußgängerbrücke“ etwas länger wär als die „Hohendeicher Fahrradbrücke“ und so den Radweg auch noch überworfen hätte. Sprich von Mundsburg kommend nach der Brücke über den Graben nach rechts verschwenken zur Alster und die Räder wie eingezeichnet fahren lassen. Aber man kann ja nicht alles haben 🙂

    2) Östrlichder Hohendeicher Buch (bzw. unten auf der Karte) ist ein zwei Richtungsradweg. Auf den kommt man zwar wenn man von der Alster kommt, aber nicht wenn man auf der Straße „An der Alster“ (auf der „richtigen“ Straßenseite) aus der City kommt. Und wie kommt man von diesem Stück in den „Graumannsweg“? Einfach quer über die Kreuzung schießen?

    3) Die „Buchstraße“ hätte man in diesem Zuge auch für den normalen Autoverkehr sperren können und nur für Räder und Busse öffnen.

    4) Spannend finde ich die „Vorfahrtsradwege“. Also das scheinbar einige Radwege „rechts vor links“ außer Kraft setzen. Bin gespannt wie das klappt in der Realität.

    5) Sinnlos ist tatsächlich, dass man die Schwanenwik Brücke nicht im zweiwege Verkehr überqueren kann. Es geht für den Autoverkehr zwar 2+1 spurig auf die Brücke, aber nur 1+1 Spurig von der Brücke runter. Zusätzlich ist eine Fußgängerquerung vorhanden (und eine hinter der Brücke). Da hätte man auch einfach 1+1 spurig + den Zweiwegeradweg Bauen können.

    … aber allem in allem freu ich mich auf das ganze 🙂

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    1. Zu 1) Ja, das könnte genausogut ein Radweg sein. Vorteil Radfahrstreifen: Er ist asphaltiert. Nachteil Radfahrstreifen: Keine bauliche Trennung zur Fahrbahn. Man könnte am besten einen baulich abgesetzten asphaltierten Radfahrstreifen bauen.

      Das mit den Fußgängerflächen auf beiden Seiten des Radwegs in der Unterführung ist unglücklich. Ich glaube das ist den Mindestradien des Radwegs geschuldet. Einmal oben, um zur Unterführung runter zu fahren (180° Kurve) und einmal unten am Wasser kurz vor der Unterführung (90° Kurve).

      Zu 2) Stimmt, die Verbindung fehlt, die sollte noch eingeplant werden. In den Graumannsweg kommt man m. E., indem man sich eine Lücke im Verkehr sucht und die Straße quert. In der Buchtstraße werden Richtung Barcastraße nur noch Busse unterwegs sein, d.h. in dieser Richtung gibt es eine geringe Verkehrsbelastung. In der Gegenrichtung gibt es etwas mehr Verkehr, aber meiner Erfahrung nach ist da selbst heute nicht sehr viel los. Will sagen, es sollte problemlos möglich sein, die Straße dort zu queren.

      Zu 3) Sehe ich auch so. Das wäre der nächste konsequente Schritt gewesen. Aber die Parkplätze!!!

      Zu 4) Da würde ich mir wie in den Niederlanden die eindeutigen Haifischzahn-Markierungen wünschen. So weiß jeder immer intuitiv und sofort, wer Vorfahrt hat.

      Zu 5) Sehr richtig. Aber wie im Beitrag erwähnt, wird es wohl auch eine Zweirichtungsverkehr-Lösung über die Brücke (vermutlich unter Wegfall der einen Fahrspur) geben. Die Pläne zeigen den aktuellen Stand nur noch nicht.

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