Veloroute 2: Umbau der Schanzenstraße und der Weidenallee

Die Veloroute 2 (City – Eimsbüttel – Stellingen – Eidelstedt) soll zwischen Fruchtallee (bei der Christuskirche) und Lagerstraße (im Schanzenviertel) ausgebaut werden. In diesem Bereich ist der Ausbau auch dringend notwendig. Heute haben Radfahrer die Wahl zwischen (sehr) schmalen und holprigen Radwegen und der Fahrbahn. Auf viel zu klein dimensionierten Radwegen neben schmalen Fußwegen und Außengastronomie gerät man ständig mit Fußgängern in Konflikt, die auf den Radwegen laufen. Man muss also ständig Bremsen und Anfahren. Auf der Fahrbahn zwischen Schrägparkplätzen und fahrenden Autos fährt aber auch nicht jeder so gern. Insofern ist ein Ausbau hier sehr zu begrüßen.

Geplant sind überwiegend fahrbahnnahe Radverkehrsführungen. In der Weidenallee werden Schutzstreifen auf der Fahrbahn angelegt, in der Schanzenstraße Radfahrstreifen.

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Sechsarmiger Knotenpunkt an der Christuskirche mit verbesserter Radverkehrsführung

Der Ausbau beginnt am riesigen Knotenpunkt von Fruchtallee/Schäferkampsallee/Weidenallee/usw. an der Christuskirche. Die Verkehrsführung für Radfahrer wird verbessert. So kann z. B. in Zukunft aus der Weidenallee direkt und mit nur einer Ampelphase in den Weidenstieg (Veloroute 2) und in die Hohe Weide gefahren werden. In Gegenrichtung ist die Situation auch zukünftig leider deutlich umständlicher. Aus dem Weidenstieg in die Weidenallee müssen drei Fahrbahnen bzw. Ampeln gequert werden, aus der Hohe Weide sogar vier inklusive eines großen Umwegs um die Kreuzung.

In der Weidenallee konnten sich die Planer (oder die Verwaltung) anscheinend nicht dazu durchringen, die Schrägparkplätze in Längsparkplätze umzuwandeln. Die Schrägparkplätze sind nämlich regelrechte Platzfresser. Im Straßenquerschnitt belegen sie 4,55 m für den eigentlichen Stellplatz plus einen Sicherheitsstreifen von 2,50 m, mithin also 8 m vom Straßenquerschnitt. Das ist mehr als die gesamte Fahrbahn an manchen Stellen breit ist. Mit Längsparkplätzen wäre also ein deutlich attraktiverer Straßenquerschnitt möglich gewesen mit mehr Platz für Fußgänger und Außengastronomie, die in der Weidenallee zahlreich vorhanden ist.

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Weidenallee auf Höhe der Agathenstraße

Außerdem wäre dann ausreichend Platz vorhanden gewesen breite Radfahrstreifen anzulegen statt der jetzt geplanten recht schmalen Schutzstreifen. Im engsten Bereich etwa auf Höhe der Agathenstraße sind die Schutzstreifen nur 1,25 m breit – neben einer Restfahrbahnbreite von 4,50 m. Meiner Meinung nach ist das viel zu schmal, ein Überfahren der Schutzstreifen wird hier selbst durch Autos im Begegnungfall die Regel sein, nicht die Ausnahme. Eine attraktive Fahrradinfrastruktur – insbesondere auf einer Veloroute – sollte anders aussehen!

Der Knotenpunkt am Übergang von der Weidenallee in die Schanzenstraße behält leider seine heutigen Ausmaße. Hier hätte ich mir eine kompaktere und übersichtlichere Kreuzung gewünscht. Meiner Meinung nach wäre das bei dem Verkehrsaufkommen auch möglich gewesen. So verstehe ich z. B. nicht, wieso die Schanzenstraße drei Fahrstreifen im Zulauf auf die Kreuzung benötigt. Und Schrägparkplätze im Bereich der Aufstellstreifen vor der Kreuzung anzuordnen, wo Auto- und Radfahrer sich einordnen müssen, halte ich auch für unübersichtlich.

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Wirkt überdimensioniert für das Verkehrsaufkommen: Knotenpunkt von Schanzenstraße, Weidenallee, Altonaer Straße und Kleiner Schäferkamp

In der Schanzenstraße werden Radfahrstreifen mit überwiegend 1,85 m Breite (inkl. Markierung) angelegt. Die Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn wird zu einer deutlichen Entspannung für Fußgänger beitragen. Sie erhalten mehr Platz und müssen sich die schmalen Nebenanlagen nicht mehr mit den Radfahrern teilen.

Am Knotenpunkt von Schanzenstraße und Lagerstraße wird ein sogenannter Mini-Kreisverkehr gebaut. Kreisverkehre weisen eine Reihe von Vorteilen auf. Sie sind eine sichere und übersichtliche Knotenpunktsform. Sie tragen zur Verkehrsberuhigung und -verstetigung bei, weil sie nur mit reduzierter Geschwindigkeit befahren werden können. In der Regel werden die Wartezeiten für alle Verkehrsteilnehmer minimiert, da nicht mehr nach starren Ampelphasen gefahren wird. Dieser Vorteil ist besonders groß bei Verkehrsbelastungen bis ca. 25.000 Kfz/Tag. Die Schanzenstraße liegt hier mit unter 8.000 Kfz/Tag deutlich darunter. Besonders vorteilhaft sind diese Art Kreisverkehr auch für Fußgänger, die an jedem Knotenpunktarm durch Zebrastreifen Vorrang genießen. Auch städtebaulich sind die kleinen Kreisverkehre günstig, da sie häufig deutlich kompakter ausgeführt werden können als eine vergleichbare Kreuzung. Dadurch entsteht mehr Raum abseits der Fahrbahn. Für den Radverkehr sind solche Kreisverkehre eine gute Lösung, weil hier z. B. das Linksabbiegen einfach gelöst ist. Es werden keine indirekten oder direkten Lösungen mit ihren jeweiligen Nachteilen benötigt.

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Kompakter Kreisverkehr am Knotenpunkt von Schanzen- und Lagerstraße [1]
Fazit: Die Planung stellt eine große Verbesserung gegenüber dem heutigen Zustand dar. Wie so oft in Hamburg werden aber auch deutliche Potentiale liegen gelassen. In Teilen ist die Radinfrastruktur einer Veloroute allerdings nicht würdig.

Die Umsetzung der Planung ist für 2018/19 geplant.

 

Quellen und Informationen:

[1]  Veloroute 2 Schanzenstraße-Weidenallee – Abgestimmte Planung, Pläne

Ein Gedanke zu „Veloroute 2: Umbau der Schanzenstraße und der Weidenallee

  1. Ich fahre häufig die Relation Hohe Weide / Neuer Pferdemarkt und umgekehrt. Die Planung sieht größtenteils gut aus. Danke für die Vorstellung hier!

    Den Schutzstreifen in der Weidenallee kann man sich echt sparen, da funktioniert Mischverkehr problemlos (Ich meine ich wurde dort noch nie bedrängt oder angehupt/bepöbelt!). Sollten stattdessen besser Tempo 30 anordnen, oder gleich ne Fahrradstraße.

    Für mich wird die Situation an der Riesenkreuzung besser, gerade die Direktverbindung Richtung Hohe Weide, ohne Schlenker nach Rechts, gefällt. Und für die Gegenrichtung habe ich auch schon eine Idee, die ich hier aber nicht weiter ausführen darf 😉
    Kreuzung zur Schanzenstraße hin ändert sich nichts, außer dass man sich nun nicht mehr mit dem MIV kloppen braucht, wer zuerst in die Weidenallee fährt.
    Danke für den Kreisel an der Lagerstraße, der ist überfällig. Der wird dafür sorgen, dass ich und viele andere Mitverkehrsteilnehmer dort weniger Owis begehen.

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